Wie prägen Emotionen unser Zusammenleben, Maren Urner?
Shownotes
Wir halten uns für rationale Wesen. Aber alles, was wir tun ist durch Emotionen bestimmt. Maren Urner, Neurowissenschaftlerin und Autorin, macht damit Schluss mit einem der hartnäckigsten Missverständnisse über uns selbst. Und erklärt, warum der Ruf nach mehr Rationalität in Debatten oft genau das Gegenteil bewirkt.
"Wenn man so tut, als wären Emotionen nicht da, ist das das Schlimmste, was man mit ihnen machen kann. Sie werden immer mehr Gewicht bekommen, bis sie irgendwann an die Oberfläche ploppen."
Wir sprechen darüber, warum Gesellschaft im Kern nichts anderes ist als viele Gehirne, die versuchen zu kooperieren und warum wir uns Strukturen gebaut haben, die genau das erschweren. Über die Pandemie der Einsamkeit, die Kraft des kleinsten gemeinsamen Nenners und darüber, was passiert, wenn wir aufhören, Unterschiede als erstes zu sehen. Und warum das Grundgesetz das emotionalste Dokument ist, das wir haben.
Zu Gast: Maren Urner, Neurowissenschaftlerin, Professorin für Nachhaltige Transformation an der FH Münster und Gründerin von Perspective Daily. Ihr aktuelles Buch heißt "Radikal emotional - wie Gefühle Politik machen".
Darum geht es in dieser Episode:
- Warum alle Entscheidungen emotional sind – und was das für gesellschaftliche Debatten bedeutet
- Wie unterdrückte Emotionen zu eskalierenden Konflikten führen
- Warum wir biologisch auf Kooperation ausgelegt sind – und uns trotzdem Heldengeschichten erzählen
- Was der kleinste gemeinsame Nenner mit Vertrauen zu tun hat
Gesellschaftsfragen ist der Podcast von More in Common.
Mehr dazu
Credits Moderation: Anna Lob Redaktion: Wiebke Ewering Produktion/Schnitt: Frank Wiedmann / Studio Publix
Wir bedanken uns bei der Deutschen Postcode Lotterie für die Unterstützung der ersten Staffel.
Transkript anzeigen
Anna Lob Es zeigt uns eben, dass alle unsere Werte und alle unsere Entscheidungen im Zusammenleben. Sei es als Verkehrsteilnehmer, nur um vielleicht ganz zum Anfang zurückzukommen oder als BefürworterInnen einer Demokratie oder eines anderen staatlichen Systems eben immer was mit Emotionen zu tun haben. Ich sage mittlerweile auch gerne das Grundgesetz ist eigentlich das emotionalste Dokument, was wir haben, weil es eben festlegt, wie wir gemeinsam miteinander leben wollen. #: 0#
Maren Urner Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von unserem neuen Podcast Gesellschaftsfragen. Mein Name ist Anna Lob und ich freue mich, in dieser Staffel mit Menschen zu sprechen, die sich auf ganz unterschiedliche Weise damit beschäftigen, was unsere Gesellschaft zusammenhält und wie wir trotz Unterschieden in Verbindung bleiben können. Gerade in einer Zeit, in der das Trennende oft im Vordergrund steht, wollen wir bei Neuen kommen gerne den Blick bewusst auf das richten, was uns verbindet. Darüber können wir auch mit unserem heutigen Gast Maren Urner wieder sehr gut sprechen. Maren Urner ist Neurowissenschaftlerin, Autorin und Gründerin. Sie hat mehrere Bücher geschrieben. Ihr aktuelles heißt Radikal emotional wie Gefühle Politik machen. Sie hat 2016 das Onlinemagazin Perspective Daily mitgegründet, das sich dem konstruktiven Journalismus verschrieben hat. Dort war sie bis 2019 Geschäftsführerin und Chefredakteurin. Aktuell ist sie Professorin für Nachhaltige Transformation an der FH in Münster. Liebe Maren, wie schön, dass du heute hier bist. #: 0#
Anna Lob Danke, dass ich hier sein darf. #: 0#
Maren Urner Ja, vielen, vielen Dank, dass du deinen Weg zu uns gefunden hast. Ich würde zum Einstieg gern mit so ein bisschen einer persönlicheren Frage starten, die wir all unseren Gästen hier stellen. Und zwar würde mich interessieren, ob es in letzter Zeit einen Moment gab, in dem du gespürt hast, da haben Menschen mehr gemeinsam, als sie vielleicht auf den ersten Blick dachten? #: 0#
Anna Lob Ja, tatsächlich habe ich aktuell ziemlich viele von diesen Momenten, was jetzt vielleicht viele erschrecken mag. In einem positiven Sinne, hoffe ich, weil ja häufig der Eindruck medial verstärkt wird, dass wir alle immer unterschiedlicher werden und würden. Und ich beziehe mich da auf die vermeintlich Kleinen. Und sage gleich noch was zu dem vermeintlich vermeintlich kleinen Momente des Alltags. Und vielleicht liegt es auch ein bisschen daran, dass sich mittlerweile diese. Was verbindet mich und nicht was trennt mich von einer Brille sehr stark und häufig aufsetze. Und ich habe es zum Beispiel, wenn ich mit dem Rad unterwegs bin und ganz bewusst mich versuche, darauf zu konzentrieren, dass wir alle Verkehrsteilnehmende sind und nicht, wenn ich zum Beispiel an der roten Ampel stehe und das gerade mal wieder kein guter Fahrradweg da und das kommt irgendwie ein Auto an und ich noch am gucken bin, wo ich denn jetzt irgendwie mich in Luft auflöse, sondern versuche möglichst früh mich als Teil der Verkehrsteilnehmer zu sehen und mit der Person im Auto irgendwie Kontakt aufzunehmen. Und das gleiche eben bei Fußgängern oder Fußgängerinnen oder Menschen, die irgendwie anderweitig unterwegs sind. Und meine Erfahrungen, die ich dabei gemacht habe und häufig dann auch proaktiv in ein Gespräch gegangen bin oder Menschen angesprochen haben, war eine total positive, weil man erst mal oder viele von uns erst mal davon ausgehen, dass so unterschiedliche Gruppe die einen Fahrrad die anderen geht zu Fuß zum Auto. Also sind wir irgendwie Gegnerinnen, wenn sie das. Wenn ich das dann aufbreche, das dann eigentlich so direkt so ach ja, klar, wir sind alle Verkehrsteilnehmer. Also nicht, dass Sie es so sagen oder denken, aber man spürt so eine gewisse Entspannung und auch vielleicht ja Gemeinsamkeit, dass man eben versucht, in diesem Verkehr irgendwie klarzukommen. Und deshalb meine ich dieses vermeintlich klein, weil genau das macht unser Leben halt aus. Also nicht nur, dass wir als Verkehrsteilnehmer unterwegs sind, sondern diese ganzen vielen Momente des In welcher Gruppe sehe ich mich gerade und in welcher Gruppe vielleicht auch nicht. Die machen unser Selbstverständnis und damit natürlich auch unser Verständnis von Gesellschaft aus. #: 0#
Maren Urner Also im Alltag nach dem Gucken, was teile ich gerade mit Menschen um mich herum? Was habe ich mit Menschen gemeinsam, dass ist so eine Sache. Wo du auch Verbindung erlebst, Das ist schön. Und das ist tatsächlich auch was, was wir öfter vor sowohl von Menschen in Fokusgruppen Gesprächen hören, als auch jetzt auch von Gästen hier in diesem Podcast. Dass es gerade eher so diese alltäglichen Momente sind, wo man immer wieder spürt, dass man auch Teil dieser Gesellschaft ist. Du beschäftigst dich ja seit Jahren mit der Frage, wie wir denken, fühlen und auch, wie wir als Gesellschaft funktionieren. Was würdest du denn sagen? Was treibt dich bei dieser Arbeit ganz besonders an? #: 0#
Anna Lob Ich würde sagen der Wille. Also man braucht da schon auch einen gewissen Willen. Ich lache so ein bisschen. Leicht, spaßig, leicht natürlich auch manchmal kurz vor der Verzweiflung. Also Wille braucht man, der Wille, Strukturen und vermeintlich Halt. Also es ist altes Denken, aber im Sinne von vermeintlich nicht über denkbares Denken, weil es irgendwie so festgefahren ist, in Frage zu stellen. Weil es uns allen danach besser geht. Was meine ich damit? Ich gucke ja immer mit dieser biologisch neurowissenschaftlichen Brille auf uns Menschen und versuche ein bisschen besser dann aufgrund meines Verständnisses, was auch beschränkt ist. Umso mehr man sich damit beschäftigt, umso mehr merkt man ja, wie wenig man über das Gehirn in meinem Fall weiß. Aber mit diesem Verständnis zu gucken Aha, deshalb funktionieren Gesellschaften so und so und so, weil für mich ist eine Gesellschaft ganz platt runtergebrochen nichts anderes. Und das ist überhaupt nicht despektierlich gemeint als ganz viele Gehirne, die in diesem Menschen drinstecken und diese Körper mit sich bringen und die irgendwie versuchen zu überleben. Das ist quasi ganz einfach runtergebrochen das Leben von Menschen. Und wenn ich dann sehe, dass wir häufig so diese alteingesessenen Denk und Verhaltensweisen haben, ich kann gleich zwei, drei konkrete Beispiele geben, die dafür sorgen, dass es uns sowohl auf individueller Ebene als auch auf kollektiver Gesellschaftlicher Ebene eigentlich schlechter geht, als es uns gehen könnte. Dann macht mich das ich sag mal, die Bandbreite von Emotionen, von traurig, wütend, verzweifelt. So. Und diese Emotionen dann aber gut und konstruktiv zu nutzen und zu sagen okay, das zeigt mir, dass mir das wichtig ist. Und ich glaube, da fehlt es häufig, dass Menschen nicht das Gefühl haben, dass sie einen Bezug dazu haben. Also wenn sie Leid und Dinge sehen, die nicht gut in der Welt laufen, dass sie dann das Gefühl haben, Ich kann nichts dagegen tun. Und deshalb, glaube ich, ist es zentral, diese Brücke herzustellen. Und wenn man dann diese Gefühlslagen verspürt zu sagen okay, was kann ich denn jetzt dagegen tun? Und das beginnt bei diesen vermeintlich kleinen Dingen im Alltag. Aber da hört es natürlich nicht auf. Und was ich meine mit den Beispielen ist eben wirklich alles von jetzt auf individueller Ebene unserem Gesundheitsverhalten. Zum Beispiel, dass wir eine Pandemie mittlerweile der Einsamkeit beobachten können, dass also immer mehr Menschen, egal ob jung oder alt, sich einsamer fühlen als noch zuvor. Wo wir wissen, dass es ganz, ganz viele negative gesundheitliche Folgen für uns hat, bis zu einem erhöhten Sterberisiko bzw einer verkürzten Lebensdauer. Obwohl wir das besser wissen, haben wir ganz viele Technologien und Techniken. Egal ob es das Essen wird an die Haustür geliefert oder man arbeitet nur noch im Homeoffice oder oder oder. Es entwickelt die das auch noch fördern, also Einsamkeit fördern. Und auf kollektiver Ebene natürlich alles, was unsere planetare Zerstörung anbelangt. Also mittlerweile haben wir 7/9 planetaren Grenzen überschritten. Also Leben im wahrsten Sinne des Wortes über die Belastungsgrenzen unserer eigenen Lebensgrundlage. Und obwohl das global seit Jahrzehnten bekannt ist, haben wir Wirtschafts und Verhaltensweisen immer noch implementiert, die genau das weiter befördern. #: 0#
Maren Urner Also würdest du sagen, dich motiviert sozusagen diese mit dieser Widersprüchlichkeit zwischen zwischen dem, was wir eigentlich wissen, und dem wo wir, wo wir eigentlich Gestaltungskraft hätten, diesen diesen manchmal vielleicht Widerspruch irgendwie zu überbrücken, sozusagen. #: 0#
Anna Lob Absolut absolut den zu überbrücken und auch andere Menschen einzuladen. Das hast du super gesagt. Diesen Widerspruch zu sehen und dann andere Menschen auch noch einzuladen, daran Freude zu haben, also an der Veränderung beteiligt zu sein, auch wenn es erst mal anstrengend ist und vielleicht unmöglich erscheint. Und überhaupt, ich habe doch was besseres zu tun und irgendwie vielleicht die nächste Netflix Serie ruft. Ich sag das jetzt sehr plakativ, aber wir wissen eben aus sämtlichen biologischen Studien, dass das, was uns langfristig nachhaltig glücklich und gesund macht, als Individuen und damit wie gesagt auch immer natürlich der gesellschaftliche Raum eine ganz wichtige Rolle spielt, ist eben, wenn wir gemeinsam mit anderen Menschen etwas tun, was sich bedeutungsvoll anfühlt. Und das ist ganz einfach. Punkt. So und wir haben uns aber Strukturen geschaffen, die das ganz häufig verhindern. Mhm. #: 0#
Maren Urner Ja. Ja. Danke. Dir. Das auch? Eigentlich schon eine super Überleitung. So zu meiner nächsten Frage. Also du hast jetzt schon so ein bisschen darüber gesprochen, dass es vielleicht gerade an der einen oder anderen Stelle, so an dieser gemeinsamen Gestaltungsvorstellung. Um irgendwie so eine Kraft zu entwickeln, muss man ja erst mal wieder eine Vorstellung davon haben, was was man eigentlich tun möchte. Dass es daran vielleicht gerade fehlt. Ich würde gerne noch mal so ein bisschen einen Schritt zurück machen. Du hast auch über unsere Gesellschaft gesprochen als quasi eine Ansammlung von Gehirnen. Das fand ich ein schönes Bild, wenn man sich das so vorstellt. Ähm, würdest du denn sagen, es ist im Kern die Biologie, unsere Neurologie, die uns verbindet? Oder gibt es noch ganz andere, ganz andere Dinge, die uns als Menschen vielleicht miteinander verbindet? #: 0#
Anna Lob Wunderbare Frage, weil sie mich noch mal kurz eintauchen lässt, ob ich noch mal tauchen darf in die Welt der Neurowissenschaften und der Verhaltenswissenschaften. Und im Groben, ohne da jetzt zu lang auszuholen. Aber vielleicht ganz interessant, um so ein bisschen auch zu verstehen Wo stehen wir da gerade? Mit historischem Blick draufgeschaut gab es als erstes, als man angefangen hat zu versuchen, Menschen zu verstehen und das auch versucht hat. Ich sag mal wissenschaftlich ein bisschen methodisch nachvollziehbar zu machen und nicht nur zum Beispiel durch Introspektion, was wir vorher hatten. Gucken wir uns die alten Philosophen, meistens Männer. Zumindest das, was überliefert ist, an, sondern eben durch empirische wissenschaftliche Methoden. Dann gab es halt den Teil der Zeitgeschichte oder der Geschichte, wo man gedacht hat, wo die Menschen gedacht haben, alles ist über das Verhalten gesteuert, also gar nicht die Biologie, die ich gerade so betont habe, sondern das ist wirklich. Es gab Menschen, die dann gesagt haben Gib mir zehn Säuglinge und ich mache dann daraus einen Schwerverbrecher. Auch das waren alles natürlich Jungs. Zwei Stunden hat man da nur mit Männern durchgeführt, oder Jungs, das ist mir bewusst. Nicht gegendert. Dann mache ich einen erfolgreichen Politiker raus. Und so weiter und so fort. Also da dachte man ganz klar, weil man eben gemerkt hat, die Umwelt hat Einfluss auf Menschen, es ist alles Umwelt. Wir Menschen tendieren zu Extremen. So auch dort. Dann wurde die ganze Genetik entdeckt und mehr und mehr eben auch durch natürlich auch neue Methoden herausgefunden, dass in unserem Gehirn und unserer Biologie einfach ganz, ganz viel unseres Verhaltens bestimmt wird. Und dann gab es so einen Schwenk in das andere Extrem extrem mit dieser kognitiven Revolution, wie das dann auch heißt, dass man gesagt hat Ach nee, Umwelt ist gar nicht so wichtig. Es ist eigentlich alles unsere Biologie. Und summa summarum Vielleicht ahnt der eine oder die andere schon. Es ist natürlich beides und noch komplexer. Es ist vor allem die Interaktion aus beidem. Also sprich, wir alle werden so mit einem unterschiedlichen Wenn man es ein bisschen technisch sehen möchte. Bausatz oder wenn man es ein bisschen schöner sehen möchte. So eine Einzigartigkeit der Biologie geboren. Und dann haben wir halt ganz, ganz viele Eindrücke vom Moment. Also schon im Mutterleib passiert viel Prägung, aber häufig beginnt man dann eben erst drauf zu schauen mit der Geburt und in den ersten Lebensjahren usw und jede Erfahrung verändert uns und interagiert wiederum mit unserer Biologie, was wiederum unsere Biologie teilweise verändern kann. Also ganz, ganz viele komplexe Mechanismen, die dabei eine Rolle spielen. Und jetzt vielleicht bezogen auf das Morgen kommen und Gemeinsamkeiten. Wir sind quasi Menschen sagen verdrahtet, die aus den Neurowissenschaften da drauf gucken für soziale Beziehungen, Das ist das, was unser ich sage immer ein Erfolgsrezept ist als Spezies, weil wir eben jetzt nicht zum Beispiel besonders schnell schwimmen laufen, geschweige denn ohne Hilfsmittel fliegen können oder scharfe Krallen oder Zehen oder sonst irgendwas haben, sondern das, was uns ausmacht und was uns bisher so erfolgreich erfolgreich im Sinne von. Eine sehr starke Vergrößerung unserer Population über den gesamten Erdball. Und Zyniker sagen dann gerne Na ja, das ist ja erfolgreich, oder Der Erfolg ist eben auch ein bisschen das Schlimme. Aber jetzt eben, rein biologisch betrachtet ist sind wir eben eine sehr erfolgreiche Spezies, die vor allem darauf setzt, zu kollaborieren, also gemeinsam zusammenzuarbeiten. Und da sind wir wieder, was du vorhin so schön gesagt hast, dieser Widerspruch, weil wir uns häufig nicht nur in Hollywood, sondern auch in der Politik, in den Unternehmen, in der Bildung genau das Gegenteil erzählen. So die Helden und Heldinnen. Geschichten sind dann einzelne Individuen, die mit Ellenbogen und sonstwie zu Erfolgsgeschichten Menschen werden. Und das ist so grundlegend falsch. Es entspricht weder unserer Biologie noch den tatsächlichen Ereignissen, die sich vor Erfolgen sozusagen ereignet haben. Und von daher Ja, es ist immer eine Interaktion oder es sind immer ganz, ganz viele Interaktionen. Und ich würde mir wünschen oder Du hast mich vorhin nach der Motivation gefragt, setze mich dafür ein, dass wir uns Umgebungen schaffen, die unsere Biologie hinsichtlich dieser, dieser kooperativen Wesen, dieser kollaborierenden Gehirne eher fördern und nicht es uns besonders schwer machen, diesen Drang in uns auszuleben. #: 0#
Maren Urner Das ist das, was uns verbindet. Eigentlich im Kern auch, dass wir nach Verbindungen suchen, dass wir soziale Menschen sind, dass wir, dass wir uns eingebunden fühlen wollen und was uns aber vielleicht manchmal auch verbindet bzw was wir vielleicht manchmal gemeinsam haben, ist, dass wir trotzdem immer irgendwie nach so einer Einzigartigkeit ja auch streben. Also das fand ich jetzt auch einen spannenden Punkt, den du meintest, so dieses, dass immer so diese Heldengeschichten erzählt werden und das ist ja schon auch was so vielleicht irgendwie auch ein menschliches Bedürfnis, so dieses Herausstechen wollen, dieses besonders sein wollen, oder wie würdest du das da mit reinbringen? #: 0#
Anna Lob Ja, und da kann ich vielleicht dann zu dem kommen, was du da angesprochen hast mit der mangelnden Vorstellungskraft, ne? Vielleicht dazu Wir lieben diese Heldinnen und Helden Heldinnen Geschichten so sehr, weil sie uns natürlich auch. Und da sage ich wieder es ist ein sozialer Drang. Motivation geben. Also mein klassisches Bild, was bei mir in meinem Kopf ist. Deshalb versuche ich es jetzt kurz zu übersetzen. Weil wir ein Podcast sind und niemand außer mir in meinen Kopf gucken kann, ist das Lagerfeuer, wo die Menschen drumherum sitzen und sich Geschichten erzählt haben. Und das machen wir eben heutzutage dann auch über Bewegtbild digitaler Natur. Und so weiter und so fort. Oder wir gehen ins Theater usw und erzählen uns diese Geschichten. Und diese Geschichten brauchen Motivation, brauchen Ansporn für uns, damit wir überhaupt sagen Gut, so möchte ich auch sein. Egal ob es jetzt der erfolgreiche Sportler oder die erfolgreiche Sängerin oder, Es wo wir dann sagen Wow, diese Person, dieser Mensch hat es geschafft und vielleicht kann ich auch ein bisschen was davon übernehmen und ich meine Hoffnung und es gibt glücklicherweise oder glücklicherweise ist natürlich auch nicht vom Himmel gefallen, sondern es gibt mittlerweile in der Film und Fernsehbranche immer mehr Menschen und ich arbeite gemeinsam auch mit denen an verschiedenen Projekten, die sich überlegen, Was für Heldinnen Geschichten brauchen wir eigentlich, damit wir dieses kollaborative und dieses kollektive Mehr fördern? Und nicht nur dieses Da ist eine einzelne Person, weil auf der einen Seite natürlich die Bewunderung, auf der anderen Seite aber eben auch so ein falsches Bild dargestellt wird von es ist nur diese eine Person. Und wenn wir wirklich ehrlich hingucken, es ist niemals nur die eine Person. Egal ob es darum geht, ein Buch zu schreiben, wo am Ende ein Name draufsteht. Und ich weiß selbst, dass ich meine Bücher natürlich selbst geschrieben habe, aber ohne ganz, ganz viele Menschen, mit denen ich Gespräche geführt hätte. Und so weiter und so fort. Wenn diese Bücher nie entstanden, hätte ich mich einfach nur hingesetzt und irgendwo auf einer Insel gesessen. Das wäre nichts geworden. Und das Meer zu adressieren und auch zu gucken, wo haben eigentlich Gruppen von Menschen. Das können zwei Menschen sein. Es können viele Hunderte sein. Dinge erfolgreich angestoßen, verändert und dabei auch noch eine gute Zeit gehabt. Also das auch ganz wichtig immer. Es ist anstrengend, aber es ist eben wie gesagt auch sehr, sehr schön. Unser Belohnungssystem ist, wie ich sage, on fire, wenn wir gemeinsam mit anderen Menschen etwas etwas von Bedeutung tun. #: 0#
Maren Urner Ja, sehr spannend. Wir können gleich noch ein bisschen ausführlicher darüber sprechen, welche Rolle da vielleicht auch Medien oder Journalismus spielt bei der Frage, welche Geschichten wir erzählen. Damit hast du dich ja auch schon sehr viel in deiner Arbeit beschäftigt. Ich würde gerne noch mal kurz eine andere Ebene reinbringen, und zwar die das Thema der Emotionen. Du sprichst ja in deinem Buch von radikaler Emotionalität. Könntest du uns einmal erklären, was du damit meinst und vielleicht auch, welche Rolle Emotionen spielen, wenn wir über gesellschaftlichen Zusammenhalt nachdenken? #: 0#
Anna Lob Ja, da müssten jetzt alle ganz, ganz stark sein, weil vor allem die männlichen Zuhörerinnen. Und das meine ich gar nicht doof oder plakativ, sondern es ist wirklich, wirklich ein heikles Thema. Sowohl aus anekdotisch als auch empirischer Erfahrung kann ich das hier so als quasi kleine Vorwarnung in den Raum stellen. Alles, was wir tun, ist durch Emotionen bestimmt. Und das anzuerkennen fällt manchen Menschen vor allem in bestimmten Positionen sehr, sehr schwer, weil wir auch da wieder Geschichten, die wir uns erzählen und spätestens seit der Aufklärung vielerorts in Anführungsstrichen unseren Kulturkreisen Geschichten dazu erzählen, dass wir besonders frei von Emotionen argumentieren sollten und rational und objektiv entscheiden sollten. Ich habe überhaupt nichts dagegen, dass wir versuchen sollten, in Ruhe und gut überlegte Entscheidungen zu treffen, bin ich absolut pro und dafür zu haben. Aber wir können nur entscheiden, weil wir unterscheiden können. Jetzt wird es kurz ein bisschen pixelig, vielleicht aber auch hoffentlich sehr einfach nachvollziehbar. Unterscheiden bedeutet ja, dass wir sagen können. Angenommen, wir haben zwei Eissorten zur Auswahl, Schokolade und Erdbeere und wir werden gefragt Welche möchten wir denn jetzt essen? Dann brauchen wir irgendein Kriterium. Wenn wir uns für eine entscheiden müssen, wie wir sie unterscheiden und sagen okay, ich möchte es lieber Schokolade. Oder du sagst vielleicht, ich möchte lieber Erdbeere. Also vielleicht eine Vorliebe. Vielleicht haben wir die eine oder die eine Schokotorte. Eissorte immer von unserem Vater, unserer Mutter, wem auch immer geschenkt bekommt. Wie auch immer. Und diese Unterscheidung ist immer bestimmt durch bestimmte Vorlieben. Und das sind Emotionen. Und das ganz allgemein gesprochen bedeutet eben es gilt natürlich nicht nur für Eissorten, sondern unsere Unterscheidungsfähigkeit ist immer basierend auf einer Präferenz, einer Gewichtung. Und die basiert immer auf Emotionen. Wenn wir das nicht mehr können und es gibt tragische Fälle von Menschen, wo die emotionale und faktische Verarbeitung im Gehirn, also wo das Zusammenkommen nicht mehr funktioniert und die können das nicht, die könnten sich nicht zwischen diesen beiden Eissorten und entscheiden und würden einfach gar nichts machen. Sehr traurig, weil sie kein Eis essen würden. Aber Spaß beiseite Es zeigt uns eben, dass alle unsere Werte und alle unsere Entscheidungen im Zusammenleben. Sei es als Verkehrsteilnehmer, um vielleicht ganz zum Anfang zurückzukommen oder als BefürworterInnen einer Demokratie oder eines anderen staatlichen Systems eben immer was mit Emotionen zu tun haben. Ich sage mittlerweile auch gerne das Grundgesetz ist eigentlich das emotionalste Dokument, was wir haben, weil es eben festlegt, wie wir gemeinsam miteinander leben wollen. Und was eben häufig verwechselt wird, ist Emotionen von emotionalisiert, also emotional aufgeladen, wenn sich Menschen im Parlament anschreien. Das ist nicht das, was ich meine. Mit jeder Entscheidung ist emotional, sondern das ist eine emotional aufgeladene, emotionalisierte Debatte, wie sie häufig medial oder eben auch in den Medien und Unternehmen oder in Beziehungen geführt wird. Und das führt tatsächlich nicht dazu, dass wir gute, wohlüberlegte Entscheidungen treffen, weil unser Hirn und damit wir in einem Zustand sind, der das gar nicht zulässt. Weil die Bereiche in unserem Gehirn, die gute, langfristige Entscheidungen treffen können. Beziehungsweise, die dafür mitverantwortlich sind, in diesem Zustand tatsächlich blockiert sind. Also wie so eine Sackgasse kommen wir da quasi gar nicht mehr rein. #: 0#
Maren Urner Also ist jetzt, wenn wir über Zusammenhalt sprechen. Ich finde das sehr spannend, weil im Gespräch über gesellschaftlichen Zusammenhalt geht es natürlich viel um genau diese emotionalisierten Debatten, wie du sie jetzt genannt hast. Also um das aufgeladen sein. Und da gibt es auch sicherlich oft die Forderung Ja, wir müssen einfach wieder ruhiger und unemotional miteinander sprechen und uns mehr auf die Fakten fokussieren. Und Debatten dürfen nicht so, nicht so emotional geführt werden. Aber wenn ich dich jetzt richtig verstanden habe, dann geht das gar nicht. #: 0#
Anna Lob Korrekt? Genau richtig. Sondern das, was wir wieder lernen müssen, ist eigentlich nicht jedem. Wie sage ich das jetzt, ohne dass es wie ein Angriff klingt? Muss ich gerade denken. Ja, also jedem kleinen Ding, was uns vielleicht stört, mache ich es mal so allgemein mit einem Ding oder jedem Gedanken oder jeder Haarsträhne, die uns irgendwie vielleicht so ein bisschen metaphorisch gesprochen im Gesicht hängt. Dann auszurasten im wahrsten Sinne des Wortes und so eine Art Überreaktion zu zeigen, sondern zu sagen Moment mal, wie wollen wir eigentlich miteinander reden? Und da aber nicht dann fälschlicherweise eine Rationalität fordern, die es gar nicht geben kann, weil die führt und das ist eigentlich das Absurde auch da wieder am Ende zu den emotionalsten Debatten im Sinne von emotional aufgeladen, wie ich es gerade beschrieben habe, weil ja quasi die ganze Zeit die Emotionen unterdrückt werden, bis das irgendwann eskaliert, wenn man so tut, dass die nicht da sind. Dass das Schlimmste, was man mit Emotionen machen kann, weil sie immer mehr Wert und Gewicht bekommt, bis es dann irgendwann an die Oberfläche ploppt. In der Emotionsforschung gibt es da ein sehr schönes Bild, wenn man sich vorstellt, man ist irgendwie in einem Schwimmbad oder Meer, also irgendwie im Wasser und versucht meistens dann sogenannte negative Emotionen wie zum Beispiel Wut, Trauer, Angst zu unterdrücken. Wie so ein Wasserball, den man versucht unter dem Wasser zu halten, dann geht das eine Zeit lang gut. Aber spätestens wenn der zweite oder dritte Ball, je nachdem wie gelenkig und agil man so ist, dazu kommt, dann ploppen die irgendwann alle auf einmal hoch. Und das ist genau das, was wir dann beobachten, wenn wir diese emotional aufgeladenen und auch häufig eskalierenden Debatten sehen, wo keine ich sage mal angemessene. Manche sprechen dann von zivil oder wie auch immer wir es nennen wollen. Aus meiner Sicht Reife. Ich spreche auch von emotionaler reife Debatte mehr geführt werden kann. #: 0#
Maren Urner Das heißt also, wenn wir es jetzt runterbrechen, vielleicht auch für die Arbeit von gesellschaftlichen Akteuren, egal egal aus welchem Sektor. Dass, wenn man zum Zusammenhalt oder irgendwie dazu beitragen will, dass wir Debatten auf eine gute, vielleicht auch konstruktive Art und Weise führen, dass es wichtig ist, Emotionen relativ offen zu adressieren und quasi nicht zu versuchen, so zu tun, als würde es sie einfach nicht geben? #: 0#
Anna Lob Ja, absolut. Also das ist eine meiner Kerneinladungen, die ich gern allen Menschen manchmal ungefragt, manchmal gefragt entgegenbringe Also bitte, bitte nehmt eure und die Emotionen anderer Menschen an, nehmt sie ernst. Das heißt nicht, dass man genauso fühlen sollte wie die anderen. Aber zu versuchen, zu verstehen, woher jemand kommt und jetzt meine ich nicht nur, aus welchem Land und welcher Religion und welche Sprache und was auch immer. Sondern der emotionale Zustand. Woher Überzeugungen kommen, warum Menschen, die, um wieder bei diesem Wortspiel zu bleiben, die Entscheidung treffen, wie sie vorher entschieden haben, damit Sie diese Entscheidung getroffen haben, ist grundlegend. Wenn ich verstehen möchte, warum eine Person das anders oder gleich sieht wie ich und natürlich auch als Gesellschaft konstruktiv. Du hast es gerade schön gesagt, als meine Lieblings Phrasenschwein Wörter natürlich als Vertreter des konstruktiven Journalismus konstruktive Gespräche im Sinne von irgendwie zielorientiert und uns weiterbringt führen zu wollen. #: 0#
Maren Urner Ja, das ist schon ein erster, würde ich sagen. Sehr guter Handlungsimpuls, den wir vielleicht mitnehmen können. Aus dieser Folge zu sagen okay, wir versuchen, Emotionen nicht an die Seite zu stellen, sondern sie wirklich auch offen und mit in Gespräche zu nehmen. Jetzt ist es ja so, dass viele Menschen gerade vielleicht vor allem Enttäuschung verspüren, wenn sie an Politik, an unsere Gesellschaft, an unser Land denken. Dass viele Menschen auch eine gewisse, vielleicht auch Angst und Überforderung spüren angesichts vieler Krisen. Wenn wir jetzt mitnehmen, dieses Emotionen ansprechen Sie thematisieren das als einen Weg, um wieder da rauszukommen, um wieder ins gemeinsame Handeln zu kommen. Was gibt es vielleicht aus deiner Sicht noch Dinge, die wir tun könnten, um wieder so ein bisschen nach vorne zu kommen, als Gesellschaft in Schwung zu kommen? #: 0#
Anna Lob Ja, auf jeden Fall. Das, was wir ganz am Anfang hatten. Und die erste Frage, die du mir gestellt hast und im Prinzip auch eure Kernarbeit Morgen kommen also diesen ich sag jetzt mal Slogan. Das ist absolut nicht despektierlich gemeint, ja zu adressieren. Was meine ich damit? Das ist ja quasi die eine der drei Zutaten, die ich sage, die wir grundlegend brauchen, wenn wir dynamisch denkend unterwegs sein wollen und dynamisch denkend eben nach vorn gerichtet. Was ja eigentlich, wenn man Menschen fragt, die meisten doch irgendwie ein kleines Stück zumindest vielleicht gegebenenfalls wollen. Und das ist eben immer zu schauen, was ist der kleinste gemeinsame Nenner mit einem anderen Mensch oder einer Gruppe anderen Menschen und nicht was ist das, was mich trennt? Weil das erste, was wir automatisch tun und automatisch, weil unser Gehirn auch in gewissen Variablen, sozusagen Kernmerkmalen das genauso macht, also ohne dass wir es verhindern können. Ich gebe zwei Beispiele Wenn wir ein Gesicht von einem Menschen sehen, entweder in analoger oder digitaler Form, dann adressieren wir direkt oder klassifiziert unser Gehirn direkt. Welche Hautfarbe hat die Person? Ist das eine andere Hautfarbe als meine und welche Geschlecht welches Geschlecht hat die andere Person? Ist es ein anderes Geschlecht als meins? Das ist ein Automatismus. Da können wir nichts gegen machen bzw wir können den nicht abschalten. Wir können aber und evolutionsbiologisch ist es auch leicht erklärbar. Stichwort freund feind erkennen potenzielle ist englisch ein datingpartner erkennen usw also Nutzungsmöglichkeiten. So vielleicht. Danke. Ja oder so, also das ist biologisch in uns. Wir hatten vorhin schon die biologischen Komponenten. Das sind zwei, die da eine Rolle spielen. Was wir aber ändern können, ist, wie wir damit umgehen. Und das Gleiche gilt für Emotionen, die wir davor hatten. Also wir sollten nicht versuchen, sie zu unterdrücken, aber unseren Umgang damit können wir besser schulen und trainieren und so eben auch unsere Brille auf. Das was trennt uns und was verbindet uns. Und das Schöne ist, wenn man anfängt, das zu tun, dann sieht man. Also wie bei allen Trainings Sachen das immer leichter und immer schneller und dann hat man auf einmal total die Freude daran, dieses Kleinste gemeinsam zu erkennen. Das mit den Verkehrsteilnehmenden war mein Beispiel vom Einstieg, aber das gilt für alle anderen Lebensbereiche genauso. Und das Tolle ist, und da jetzt vielleicht nur ganz, ganz grob ein paar empirische Studienergebnisse hier zitiert, das, wenn wir das machen, also erstmal eine diese kleine Gemeinsamkeit zu finden und das kann so was wie die Lieblings Eissorte Schokolade oder Es Erdbeere sein. Dann hören wir dem Gegenüber länger zu. Wenn wir so ein Grundvertrauen und Grundverbindung haben. Wir vertrauen den Informationen dieser anderen Person oder den anderen Menschen mehr. Wir sind bereit, anderen Menschen von dem zu erzählen, was uns diese Person gerade erzählt hat. Und wir würden auch mehr Geld in sie investieren, wenn die uns jetzt zum Beispiel ein Startup pitchen würden. Platt gesagt das heißt, dieses Grundvertrauen und da sind wir wieder bei diesem Wofür sind wir eigentlich verdrahtet in unserem Gehirn, biologisch für Kooperation. Aber wir brauchen dafür dieses Initial Vertrauen. Denn der Klebstoff menschlicher Beziehungsvertrauen, wenn das nicht da ist, egal ob in eine staatliche Institution, in eine Politikerin, in einen Geschäftsführerin oder eben in meinen Partner, meine Partnerin, dann kann kein guter, konstruktiver Austausch stattfinden. Und deshalb ist dieses kleinste gemeinsame Nenner suchen so grundlegend. #: 0#
Maren Urner Ja, das ist was, Was auf jeden Fall auch sehr gut zu unserer Forschung passt, würde ich sagen. Und ja, total schön auch noch mal so von dir aus. Aus einer neurowissenschaftlichen Perspektive zu hören. Denn dieser Fokus auf das, was uns verbindet, das Mehr wieder in. In das. Ins Licht zu rücken. Ich glaube, das ist etwas, was gerade. Wirklich sehr wichtig ist, auch in dieser Zeit und was wir alle auch machen können. Aber ich nehme aus deiner Antwort auf jeden Fall auch so eine Grundbereitschaft auch zur Selbstreflexion mit, dass die auch sehr wichtig ist, wenn man am Zusammenhalt arbeiten möchte, dass man auch bereit ist, quasi sich zu hinterfragen, eigene Denkmuster, eigene Erfahrungen, die man macht, zu hinterfragen und zu schauen, was laufen da vielleicht in mir auch für Prozesse ab, die jetzt nicht unbedingt dafür sorgen, dass wir hier eine ideale Gesprächsatmosphäre haben. #: 0#
Anna Lob Ja, genau das. Und das braucht natürlich wieder Zeit. Der Punkt, den wir eben hatten, das geht nicht in einer emotional aufgeladenen Gesprächssituation oder in einer Kultur, wie wir sie auch heutzutage. Es klingt immer so altbacken, als ob wir irgendwie 80 sind und uns über die alten Zeiten irgendwie zurücksehnen. Aber in dieser schnelllebigen, digitalen hochdurchtakteten. Am besten fünf Endgeräte gleichzeitig konsumierenden Zeit ist das natürlich gar nicht angesagt. Mal platt gesagt. Oder das gegen die Gegenbewegung, dass dann so eine Art neues Biedermeier entsteht, wo man sagt okay, das ist mir alles viel zu viel, ich ziehe mich da raus. Und auch das sage ich sehr gerne, sehr plakativ, lese die Landlust und backe Sauerteigbrot. #: 0#
Maren Urner Es gibt eine gute Zeitschrift, die Landlust. #: 0#
Anna Lob Bestimmt, bestimmt und dass die in Münster gegründet wurde und ich da erarbeite, da habe ich ja diesen Witz auch machen, würde ich sagen. Aber Spaß beiseite. Also das ist natürlich wichtig, sich Rückzugsorte zu suchen und die auch zu pflegen, um genau diese Zeit einzuräumen, die du gerade so gut beschrieben hast, zu reflektieren, einzusortieren und auch mal bewusst mit sich allein zu sein. Auch etwas, was vielen Menschen sehr, sehr schwer fällt, weil wir es nicht mehr machen und nicht gewohnt sind. zum Beispiel ohne Handy aus dem Haus zu gehen oder ohne noch allgemeiner digitales Endgerät sich in die Natur zu begeben und einfach mal zu gucken, was passiert dann? #: 0#
Maren Urner Ja, ja. Stichwort Zeit Stichwort Selbstreflexion und Stichwort Aufgeheizte Debatten bringen mich eigentlich zum nächsten Thema, über das ich unbedingt noch mit dir sprechen möchte. Und zwar Medien und die Verantwortung von Medien in unserer Gesellschaft. Was würdest du denn sagen? Welche Verantwortung tragen sie denn, wenn es, wenn es um gesellschaftlichen Zusammenhalt geht. #: 0#
Anna Lob Einen riesigen und ich möchte aber da direkt ein bisschen an die Definition drangehen, weil wir sehen, dass die klassischen Medien, also die Definition von Begriff Medien, die klassischen Medien. Martin Andre zum Beispiel macht da großartige Arbeit. Ich weiß nicht, ob er sowieso schon interviewt hat oder ihn vielleicht noch einladen mögt. #: 0#
Maren Urner Das ist ein guter Tipp für einen Gast. Den nehmen wir mit. #: 0#
Anna Lob Super, der eben zum Beispiel untersucht und auch mit Kolleginnen zeigen konnte, dass die klassischen Medien, also alles das, was wir so allgemeinhin als Medien verstehen Fernseh, Radio, Zeitungen und die Plattform oder die Plattform sollen die Internet Angebote von diesen klassischen Medien, dass deren Einfluss immer immer geringer wird. Also wenn wir zum Beispiel jetzt das Internet anschauen und da Aufrufzahlen und wirklich schauen, welche Dinge, also Angebote im weitesten Sinne werden konsumiert, dann sehen wir, dass das ganz, ganz Schwinden oder verschwindend geringer Anteil mittlerweile nur noch ist und dass die Plattformen, also die sozialen Medien und auch andere Plattformen, da einfach den Hauptanteil unserer Aufmerksamkeit, wie ich immer sage, unsere wichtigste Ressource in Anspruch nehmen und damit sehr viel mehr natürlich auch zu der Beeinflussung, nach der du mich gefragt hast, mittlerweile beitragen. Und das ist jetzt erstmal rein deskriptiv. Das ist jetzt nicht keine Bewertung bisher, ob das jetzt gut oder schlecht ist, sondern das beobachten wir, das können wir sehen. Das ist sehr gut nachgewiesen. Und die Frage ist jetzt, wie gehen wir damit um? Aber insgesamt war ja deine Frage. Ja, okay. Was? Was ist machen wir? Also deshalb meine ich, ich schließe alles gerade ein, wenn ich. Wenn du mich nach Medien fragst, also auch die neuen Medien in Anführungsstrichen. Und da sehen wir einfach, dass die einen massiven Einfluss auf unsere Überzeugung und damit natürlich auch unsere Handlungen haben. Und als Neurowissenschaftlerin finde ich das auch überhaupt nicht verwunderlich oder irgendwie erstaunlich, sondern einfach gut nachvollziehbar. Weil wie gesagt, Aufmerksamkeit ist unsere wichtigste Ressource. Und vielleicht noch ein bisschen plakativer ausgedrückt bedeutet es eben, dass jeder. Oder wissen wir mittlerweile, dass jede Information und somit natürlich auch jeder mediale Inhalt, den wir immer stärker uns aussetzen oder uns mit ihnen beschäftigen? Tendenz steigend. Bei den online und digitalen Zeiten unser Gehirn verändert und beeinflusst. Also sprich, wir können nicht unsere Aufmerksamkeit auf irgendwas richten, ohne dass es Folgen hat. So vielleicht einmal andersrum formuliert. Und wenn wir dann sehen, dass zum Beispiel Menschen fünf Stunden in den sozialen Medien verbringen, pro Tag, nicht pro Woche oder Monat, dann ist natürlich auch klar, dass diese fünf Stunden fünf Stunden Spuren hinterlassen und damit natürlich beeinflussen. Und wenn man dann noch dazu weiß, dass unser Gehirn sehr stark über Wiederholung lernt. Also je häufiger ich etwas höre, sehe, wahrnehme, auf welche Art und Weise auch immer, desto intensiver speichere ich es ab und desto mehr glaube ich daran. Ich sage ganz bewusst hier Glaube, weil es eben häufig eine Überzeugungs Frage ist, ob man etwas für Stichwort Werte, ob man für oder gegen etwas ist und verlässt auch damit Wege, die man vielleicht vorher für überzeugend hielt. Was meine ich damit, wenn ich zehnmal gesagt bekomme, es gab da ein Attentat, obwohl es kein Attentat gab. Eine Strategie, die Herr Trump sehr erfolgreich immer wieder umsetzt. Dann glauben Menschen irgendwann wirklich, obwohl es faktisch nie eine Tat gab oder einen Vorfall gab, dass es vielleicht ein Attentat gab oder sind sogar fest davon überzeugt, einfach schier durch diese Wiederholung und vielleicht noch auf unterschiedlichen Seiten, Quellen, Plattformen usw sagt unser Gehirn irgendwann Warte mal, das war jetzt nicht einmal, das war nicht zweimal und auch nicht dreimal. Und es waren verschiedene Quellen. Da muss was dran sein. Und das ist eben das Perfide, wenn wir dann auch noch schauen, schon jetzt wird es direkt noch einen Punkt weiter Unterbrich mich, Moment mal! Aber ein wichtiger zentraler Punkt hier, der dann doch in die Bewertung von den eben genannten deskriptiven Daten geht, oder? Eine Frage, die ich gerne auch mehr und mehr gesellschaftlich diskutieren möchte und die auch glücklicherweise immer mehr diskutiert wird. Wem geben wir die Verantwortung über unsere wertvollste Ressource, unsere Aufmerksamkeit, wenn wir wissen, dass sie so und so Genutzt bzw abgerufen wird. Und da sehen wir einfach, dass eine große Verantwortung, die eben schlecht übernommen wird, bei den Techoligarchen liegt, die eben diese Plattformen betreiben und damit dafür sorgen, dass Menschen bestimmte Überzeugungen haben und dann auch entsprechend nach diesen Überzeugungen handeln. Ja. #: 0#
Maren Urner Absolut. Jetzt ist ja eine Antwort, die du vielleicht auch darauf gefunden hast, die Idee, ein Medium für konstruktiven Journalismus zu gründen. Du warst daran beteiligt bei Daily Perspective, Perspective Daily. Verzeihung. Und jetzt ist die Frage Wenn wir über konstruktiven Journalismus sprechen, dann meinen wir ja oft Journalismus, der quasi lösungsorientiert ist, der versucht diesen ganzen, auch negativen Informationen, die du ja auch gerade beschrieben hast, oder sogar Lügen, die verbreitet werden, einen Lösungsorientierten Journalismus entgegenzustellen, der nicht nur Probleme beschreibt, sondern auch versucht zu erklären, wie wir, wie wir weiterkommen als Gesellschaft und wie wir mit diesen Problemen umgehen können. Meine Frage ist wenn wir wissen, dass Menschen ja schon auch sich gerne auf das konzentrieren, was negativ ist an Informationen oder besonders? Also wenn ich mit Journalistinnen spreche, dann wird auch immer wieder gespiegelt Ja, die Menschen klicken halt am meisten auf die Kriminalgeschichten oder wie auch immer. Wie, Wie schaffen wir es denn, dass konstruktive Angebote auch angenommen werden und dass Menschen diese auch wahrnehmen? Was sind die Erfahrungen, die du da vielleicht gemacht hast? #: 0#
Anna Lob Ja, also erst mal danke auch für die Frage, weil sie so wichtig ist und aus meiner Sicht auch sehr wichtig, dass wir ehrlich drüber reden. Und genau das, was du gerade gesagt hast, ist ja auch das, was mir und vielen anderen dort andauernd begegnet. So, ja, aber die Menschen wollen das ja. Und ohne jetzt ein whataboutism Argument anzuführen, ist es halt einfach ein schlechtes, eine schlechte Antwort. Weil wenn wir immer das machen würden, was die Menschen wollen, dann würden wir auch nur noch Burger und Muffins anbieten und keinen Salat mehr. Weil das eben genau das ist, was die Menschen wollen. Ja, und dann hätten wir noch mehr übergewichtige Menschen. So. Also es gibt halt genau wie bei Junk Food Junk Information und es gibt gewisse Tendenzen in unserem Gehirn auch die wieder evolutionsbiologisch relativ leicht zu erklären. Nehmen wir das Beispiel mit der Kriminalgeschichte. Ja, die, die uns langfristig nicht gut tun. Die Kriminalgeschichte ist für uns spannend, weil sie potenziell eine Gefahr bedeutet. Und die erste und wichtigste und grundlegendste Aufgabe unseres Gehirns ist nun mal, uns am Leben zu halten. Das heißt, wenn wir tot sind, dann macht das andere keinen Sinn mehr für uns. Wenn ich jetzt nicht auf diese Kriminalgeschichte klicke, weil ich vielleicht Angst haben sollte. Bei mir wird eingebrochen. Ich werde, ich weiß nicht was. Ja, dann habe ich gegebenenfalls eine Gefahr verpasst. Früher war das dann der Säbelzahntiger, der vor der Höhle stand. Und dann ist vielleicht im Extremfall mein Leben in Gefahr. Deshalb sollte ich mich darüber informieren. Genauso ist es mit der Ernährung. Also fettiges, kalorienhaltiges Essen werden wir in den meisten Fällen bevorzugen, weil wer weiß, wann es das nächste Mal was zu essen gibt. Jetzt haben wir aber eben nicht mehr Säbelzahntiger und Nahrungsarmut in den meisten Fällen. Wir haben mittlerweile global gesehen mehr übergewichtige als untergewichtig Menschen. Was nicht heißt, dass Unterernährung nicht nach wie vor ein Problem ist. Aber wir sehen eben, dass wenn ein Überangebot an Junkfood und oder Information da ist, wir dazu tendieren. Und dann setzt sich so ein Teufelskreis in Gang. Gerade wenn es uns besonders schlecht geht und durch diese Sachen geht es uns noch schlechter. Und das ist dann der Teufelskreis, dass wir dazu tendieren, davon noch mehr zu konsumieren. Und das kennen wir alle. Also bei mir ist es die Schokolade und die Süßigkeiten. Wenn ich gestresst bin, esse ich definitiv mehr Schokolade als andere. Und stressigen Tagen. Ja. Ja. Und diese Mechanismen auch in Bezug auf Informationen zu verstehen. Es sind im Prinzip die gleichen Kreisläufe in unserem Kopf und wo dann auch wieder Belohnungssysteme usw eine Rolle spielen. Und dann konstruktiv als Gesellschaft zu adressieren und nicht zu sagen, weil das dem kurzfristigen Denken von biologischen Hirnen von Menschen verankert ist, werden wir das bedienen, damit wir unseren kurzfristigen Gewinn maximieren, weil das ist ja das Geschäftsmodell dahinter. Sondern zu sagen, was sind die Informationen, die wir eigentlich brauchen, um langfristig glücklich zufriedene Menschen und eine gute Gesellschaft zu kreieren? Und da letzter Punkt vielleicht zu den aktuellen Forschungsergebnissen zum noch jungen Feld natürlich das konstruktiven und lösungsorientierten Journalismus. Sehen wir das zum Beispiel bei der konstruktiven Berichterstattung die Menschen länger dranbleiben. Und das ist ja eine total gute Nachricht. Und jetzt nicht im Sinne von good news, sondern im Sinne von motivierenden Nachricht. Nämlich zu sehen, dass wenn sich Journalistinnen und Medienschaffende die Mühe machen, konstruktiv und damit eben auch ein bisschen tiefer zu recherchieren, zu berichten und einzuordnen, zu reflektieren, über Lösungen zu sprechen. Dass dann die Menschen das tatsächlich auch mit ihrer Aufmerksamkeit immer wieder der wichtigsten Ressource wertschätzen, weil sie merken Oh, das gibt mir wirklich was und nicht nur okay. Keine Gefahr, Danke. #: 0#
Maren Urner Ja, also die Mühe, sozusagen auch in konstruktivere Angebote zu investieren, die, die scheint sich auf jeden Fall zu lohnen. Und ja, ich nehme auch mit, dass wir vielleicht auch mehr uns bewusst als Gesellschaft damit auseinandersetzen sollten. Wie wollen wir uns eigentlich informieren? Also welche? Sozusagen Informationsdiät? Um das Ernährungsbeispiel noch mal reinzubringen. Wollen wir uns eigentlich zumuten als Gesellschaft? #: 0#
Anna Lob Ja, absolut. Kann ich, Kann ich genauso. Würde ich genauso unterschreiben. Ja. #: 0#
Maren Urner Ja, vielen Dank, Maren. Erst mal bis hierher. Ich würde jetzt gerne noch dir eine Frage zum Schluss stellen. Auch wieder eine Frage, die wir all unseren Gästen hier stellen. Wir haben jetzt viel über große Themen, über Herausforderungen auch für uns als Gesellschaft gesprochen, aber auch sehr viel über Lösungsansätze, über mögliche Dinge, die wir in ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen uns angucken können, um wieder mehr den Fokus auf das Verbindende zu legen und so auch wieder zu mehr Handlungsfähigkeit zu kommen. Wie ist es denn bei dir, wenn du so auf auf unsere Gesellschaft gerade blickst und auf das, was uns beschäftigt? Was würdest du denn sagen, was dir Hoffnung gibt im Moment? #: 0#
Anna Lob Für mich ist Hoffnung immer ein aktiver Prozess, das vielleicht vorab geschickt und nicht etwas. Ich setze mich hin und hoffe darauf, dass die Lösung technischer oder sonstiger Natur vom Himmel fällt. Und das, was mir Hoffnung gibt, ist tatsächlich, dass wir in dieser Zeit des Umbruchs gerade leben. Also manche nennen es dann Transformation. So wie in meiner Professur. Aber Veränderungen das erste Mal, was Menschen häufig Angst macht. Und gleichzeitig ist es aber eben auch das, was unsere Geschichte von der Steinzeit oder wo auch immer wir die menschliche Geschichte beginnen lassen wollen, bis hierhin natürlich grundlegend geprägt hat. Und ich sehe ganz, ganz viele Menschen, spreche mit ganz, ganz vielen Menschen, wie zum Beispiel hier heute in diesem Gespräch mit euch anderen Initiativen, Gruppen usw, die sich auf den Weg machen, die den Ernst der Lage, weil es ist eine herausfordernde Lage. Siehe das Überschreiten der planetaren Grenzen, siehe die Gefährdung und Abschaffung von Demokratien in vielen Ländern. Den Ernst der Lage verstanden haben und daraus aber nicht schlussfolgern okay, jetzt kann ich eh nichts mehr machen, sondern sagen Wow! Das zeigt mir, wie wichtig es jetzt ist, laut zu werden und nicht mehr zu schweigen und auf irgendwas zu hoffen, was dann gegebenenfalls eine gute oder schlechte Lösung sein könnte. #: 0#
Maren Urner Maren Vielen vielen Dank. Hoffnung als ein Prozess, der uns verbindet. Das ist doch ein sehr schönes Ende auch für diese Folge und für dieses Gespräch. Deine Perspektive auf diese Themen war super spannend zu hören. Es war richtig schön, mit dir zu sprechen darüber, wie wir denken, fühlen und wie daraus auch Verbundenheit entsteht. Danke, dass du heute da warst. #: 0#
Anna Lob Sehr, sehr gern. Vielen Dank. #: 0#
Maren Urner Ja, das war eine weitere Folge unseres Podcasts, den wir dank einer Förderung der Deutschen Post Lotterie umsetzen können. Wenn euch diese Folge gefallen hat, dann teilt diesen Podcast gerne in eurem Netzwerk und gebt uns gerne Feedback. Mehr zu unserer Arbeit findet ihr auf www.moreincommon .de oder auf unseren Social Media Kanälen. Um uns der Frage anzunähern, was uns als Gesellschaft verbindet, veröffentlichen wir aktuell auch regelmäßig Themen. Papiere, die sich dieser Frage widmen. Auch die findet ihr auf unserer Website. Wir freuen uns auf die nächste Folge. Vielen Dank! Bis zum nächsten Mal. #: 0#